{"id":164,"date":"2009-03-25T18:14:20","date_gmt":"2009-03-25T17:14:20","guid":{"rendered":"http:\/\/juz-mannheim.de\/juz\/?p=164"},"modified":"2012-09-05T13:45:55","modified_gmt":"2012-09-05T11:45:55","slug":"stolperstein-fur-friedrich-durr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/juz-mannheim.de\/en\/stolperstein-fur-friedrich-durr\/","title":{"rendered":"Stolperstein f\u00fcr Friedrich D\u00fcrr"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Am 25.03.2009 fand in der Mannheimer Neckarstadt eine Verlegerunde der sogenannten Stolpersteine statt. Der Kuenstler Gunter Demnig erinnert mit den <a title=\"Stolpersteine\" href=\"http:\/\/www.stolpersteine.com\/\" target=\"_blank\">Stolpersteinen<\/a> an die Opfer des Nationalsozialismus, indem er vor deren letztem selbstgewaehltem Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einl\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An diesem Tag wurde auch dem Mannheimer Antifaschisten <a title=\"Friedrich D\u00fcrr\" href=\"http:\/\/juz-mannheim.de\/juz\/?page_id=69\" target=\"_blank\">Friedrich D\u00fcrr<\/a> ein Stolperstein in der Lange R\u00f6tterstra\u00dfe 22 gelegt. Das Jugendzentrum in Selbstverwaltung w\u00fcrdigt seinen Namenstr\u00e4ger mit der Patenschaft f\u00fcr diesen Stolperstein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"width: 379px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Gunter Demnig mit dem zu verlegenden Stolperstein \" src=\"http:\/\/juz-mannheim.de\/Bilder\/dsc_1952.jpg\" alt=\"\" width=\"369\" height=\"550\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Gunter Demnig mit dem zu verlegenden Stolperstein<\/p><\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Verlesen des Redebeitrags des JUZ w\u00e4hrend der Verlegung \" src=\"http:\/\/juz-mannheim.de\/Bilder\/dsc_1994.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"369\" \/><\/p>\n<dl id=\"\" class=\"wp-caption aligncenter\" style=\"width: 560px;\">\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Verlesen des Redebeitrags des JUZ w\u00e4hrend der Verlegung<\/dd>\n<\/dl>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"width: 560px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Steigen lassen der Luftballons mit Flugzetteln \u00fcber Friedrich D\u00fcrr \" src=\"http:\/\/juz-mannheim.de\/Bilder\/dsc_2007.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"369\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Steigen lassen der Luftballons mit Flugzetteln \u00fcber Friedrich D\u00fcrr<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"width: 560px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Der frisch verlegte Stolperstein \" src=\"http:\/\/juz-mannheim.de\/Bilder\/dsc_2049.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"369\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Der frisch verlegte Stolperstein<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Verlegung des Stolpersteins f\u00fcr Friedrich D\u00fcrr am 25.03.2009 wurde durch Juz-Aktive ein Redebeitrag verlesen. Dieser Redebeitrag ist hier dokumentiert:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Friedrich D\u00fcrr<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Friedrich D\u00fcrr wurde am 1.2.1904 geboren und ist in den Mannheimer Quadraten aufgewachsen. Seine 3 \u00e4lteren Br\u00fcder starben alle w\u00e4hrend des ersten Weltkrieges. Mit 15 Jahren verlie\u00df er, wie damals unter Arbeiterkindern \u00fcblich, die Volksschule und begann eine Maschinenschlosserlehre beim Benz. Trotz &#8220;guter F\u00fchrung&#8221; wurde er 1924 aus der Firma entlassen, vermutlich auf Grund seiner politischen Agitation. Mit seiner gewerkschaftlichen und parteilichen Arbeit versuchte er sein Ideal der klassenlosen und herrschaftsfreien Gesellschaft zu erk\u00e4mpfen. Auch nach dem 1. KPD-Verbot 1923 f\u00fchrte Friedrich D\u00fcrr diese Arbeit in der Illegalit\u00e4t fort und widmete sich in den kommenden 11 Jahren Arbeitslosigkeit bis zu seiner Verhaftung intensiv dem politischen Kampf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1930 heiratete er Anna G\u00f6ckel und zog mit ihr in eine vom Schwiegervater bereitgestellte Wohnung, in der Lange-R\u00f6tter-Str. 22, in der er bis zu seiner Verhaftung wohnen bleiben sollte. Vor diesem Haus stehen wir gerade.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon vor der Macht\u00fcbernahme 33 setzte Friedrich D\u00fcrr sich in einem antifaschistischen Ausschuss im Stadtteil Neckarstadt f\u00fcr eine Einheitsfront gegen den Faschismus ein, um die Machtergreifung der Nationalsozialisten durch ein breites linkes B\u00fcndnis zu verhindern. Schon hier zeigte sich, wie entschlossen er gegen den sich formierenden Faschismus zur Wehr setzte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1933 wurde die KPD erneut verboten und im Fr\u00fchjahr 1934 startete die Gestapo in Baden-Pfalz eine regelrechte Jagd auf politische Gegner des Regimes. Dabei wurden zahlreiche sich im Untergrund organisierende KPDler verhaftet, gefoltert und ins Zuchthaus gesteckt, von wo sie sp\u00e4ter in verschiedene Konzentrationslager deportiert werden sollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser ersten gro\u00dfen Welle der Repression in der Region hatte Friedrich D\u00fcrr noch entgehen k\u00f6nnen. Nach dieser Schw\u00e4chung der Partei \u00fcbernahm er dann den Posten des Bezirkskassierers. Diese T\u00e4tigkeit und eine weitere spektakul\u00e4re Aktion in der Silvesternacht 35 wurden ihm sp\u00e4ter zum Verh\u00e4ngnis. Mit zwei weiteren Genossen feierte Friedrich D\u00fcrr das neue Jahr auf ganz besondere Weise. Aus platzenden Ballons flatterten Flugbl\u00e4tter auf die mannheimer Stra\u00dfen, auf denen zum Kampf gegen den Nationalsozialismus aufgerufen wurde: &#8220;Mit Jammern und Klagen wird nichts bestellt, mit Hammer und Sichel gewinnst du die Welt.&#8221; Hie\u00df es da, und &#8220;1935! Schmiedet die Einheitsfront gegen Hitler!&#8221; wurde gefordert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht einmal 2 Wochen sp\u00e4ter, am 11.Januar 1935, wurde Friedrich D\u00fcrr verhaftet und vom Oberlandesgericht zu 3 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt. Doch er kehrte anschlie\u00dfend nicht mehr nach Mannheim zur\u00fcck sondern wurde wegen seines Nichtzusammenarbeitens mit dem Justizapparat ins KZ Dachau \u00fcberf\u00fchrt, da er eine Aussage \u00fcber die KPD-Strukturen verweigerte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst im Konzentrationslager wurde sein Widerstandswille nicht gebrochen. Er musste Zwangsarbeit in der Waffenwerkstatt der SS leisten, suchte aber von Anfang an dies zu nutzen, indem er \u00fcber Pl\u00e4ne zu einer bewaffneten Erhebung gegen die SS im Konzentrationslager Dachau nachdachte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Fr\u00fchjahr 1945 verbreitete sich unter den H\u00e4ftlingen die hei\u00dfersehnte Nachricht der sich schnell n\u00e4hernden amerikanischen Truppen. Die SS reagierte auf diese Information, indem sie einen Todesmarsch der 30000 H\u00e4ftlinge plante, um die \u00dcbernahme und Befreiung des Lagers durch feindliche Streitkr\u00e4fte zu verhindern. Gegen Mittag des 27. April 1945 sollte sich der Gefangenentross in Bewegung setzen. Um die Befreiung des Lagers durch die Amerikaner zu beschleunigen und einen weitern Massenmord der Nazis zu verhindern, formierte sich in h\u00f6chster Eile Widerstand im Lager.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2 Gruppen, zu denen jeweils 15 Gefangene z\u00e4hlten, wagten den Ausbruch aus dem Lager mit Hilfe des &#8220;Moorexpress&#8221;, der normalerweise Abf\u00e4lle aus dem Lager transportierte. Die eine Gruppe war dazu bestimmt, zu den amerikanischen Truppen vorzudringen und sie \u00fcber die Situation des Lagers zu informieren. Die andere, zu der auch Friedrich D\u00fcrr z\u00e4hlte, sollte in der Stadt Dachau einen Aufstand anzetteln und die SS zum Kampf zwingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Stadt waren zuvor von den Einwohnern Waffen versteckt worden, die die Gruppe jetzt an sich nahm. Auch der Volkssturm Dachaus schloss sich den H\u00e4ftlingen an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es kam zum Kampf, wobei Friedrich D\u00fcrr und ein weiterer Mannheimer Genosse, Leo Hei\u00df, der SS in die H\u00e4nde fielen. D\u00fcrr wurde am 28.April vor dem Dachauer Rathaus erschossen, 24 Stunden bevor die Aliierten in Dachau ankamen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit ihrer Tat haben die Widerstandsk\u00e4mpfer den Mitgefangenen wom\u00f6glich das Leben gerettet. Denn in den Nachkriegsjahren wurde ein Geheimbefehl Himmlers an die Lagerleitung des KZ Dachau bekannt, nach dem kein H\u00e4ftling &#8220;lebendig in die H\u00e4nde des Feindes fallen&#8221; d\u00fcrfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis heute gibt es keine angemessene Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr Friedrich D\u00fcrr hier in Mannheim. Lediglich das Jugendzentrum in Selbstverwaltung erinnert mit seinem selbstgew\u00e4hlten Namen an den Genossen und Widerstandsk\u00e4mpfer. Mit diesem Stolperstein wird eine weitere Stelle in Mannheim zum Ort des Erinnerns und Gedenkens an die Opfer des Faschismus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 25.03.2009 fand in der Mannheimer Neckarstadt eine Verlegerunde der sogenannten Stolpersteine statt. Der Kuenstler Gunter Demnig erinnert mit den Stolpersteinen an die Opfer des Nationalsozialismus, indem er vor deren letztem selbstgewaehltem Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einl\u00e4sst. An diesem Tag wurde auch dem Mannheimer Antifaschisten Friedrich D\u00fcrr ein Stolperstein in der Lange R\u00f6tterstra\u00dfe 22 gelegt. Das Jugendzentrum in Selbstverwaltung w\u00fcrdigt seinen Namenstr\u00e4ger mit der Patenschaft f\u00fcr diesen Stolperstein. &nbsp; Verlesen des Redebeitrags des JUZ w\u00e4hrend der Verlegung &nbsp; &nbsp; &nbsp; Bei der Verlegung des Stolpersteins f\u00fcr Friedrich D\u00fcrr am 25.03.2009 wurde durch Juz-Aktive ein Redebeitrag verlesen. 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