{"id":1521,"date":"2014-03-14T12:49:11","date_gmt":"2014-03-14T11:49:11","guid":{"rendered":"http:\/\/juz-mannheim.de\/?p=1521"},"modified":"2016-07-12T13:05:02","modified_gmt":"2016-07-12T11:05:02","slug":"am-26-04-auf-zur-nachttanzdemo-nach-reutlingen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/juz-mannheim.de\/en\/am-26-04-auf-zur-nachttanzdemo-nach-reutlingen\/","title":{"rendered":"Am 26.04.14 auf zur Nachttanzdemo nach Reutlingen!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Reclaim your city!<br \/>\n<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/nachttanzdemort.na.ohost.de\/2014\/03\/02\/reclaim-your-city\/\" target=\"_blank\">Aufruf zur Nachttanzdemo in Reutlingen<br \/>\n<\/a><br \/>\nDie Stadt geh\u00f6rt allen!?!<\/p>\n<p>Durch st\u00e4ndige Modernisierung und Aufwertung sollen St\u00e4dte anhand von ihrem Erscheinungsbild zu Aush\u00e4ngeschildern der jeweiligen Gemeinden werden, in der ewigen Konkurrenz als Unternehmensstandorte und Einkaufsst\u00e4dte. Daher gibt es, z.B. in Reutlingen, zig M\u00f6glichkeiten auf unterschiedlichste Weise Geld los zu werden: Viele \u2019schicke\u2018 Cafes, eine gro\u00dfe Auswahl an Bekleidungsgesch\u00e4ften, eine \u201awundersch\u00f6ne\u2018 Stadthalle und weitere, von Konsumzwang gepr\u00e4gte R\u00e4ume, in denen man sich wunderbar wohlf\u00fchlen kann.<\/p>\n<p>Doch wo gehst du hin, wenn du gerade kein Geld ausgeben m\u00f6chtest oder ausgeben kannst? Wenn du dich in einem ungezwungenen Rahmen mit Freunden treffen m\u00f6chtest? Wenn du genau das machen m\u00f6chtest, worauf du gerade Lust hast? Dann sieht die Lage in St\u00e4dten weniger rosig aus. Aus Cafe\u015b wird man raus geworfen, in Einkaufszentren vergrault man angeblich die zahlungskr\u00e4ftige Kundschaft und in einem Klamottenladen abzuh\u00e4ngen, ohne etwas Sch\u00f6nes kaufen zu k\u00f6nnen, war ja auch noch nie sehr verlockend.<\/p>\n<p>Die wenigen Orte wie z. B. Parks, Pl\u00e4tze und Soziale Zentren, die uns f\u00fcr ein selbstbestimmtes Zusammenleben verbleiben, werden t\u00e4glich von sogenannten Ordnungskr\u00e4ften durchstreift und kontrolliert um die Gesetze durchzusetzen und jegliche Ans\u00e4tze von selbstbestimmten und spontanen Zusammenk\u00fcnften von Menschen zu unterbinden, also die sogenannte \u00f6ffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten.<\/p>\n<p>So wird beispielsweise in Reutlingen in der Pomologie, einem Stadtpark, nach 23 Uhr jede Ansammlung von Menschen, die als Jugendliche eingestuft werden, konsequent aufgel\u00f6st; zur Not auch mal mit Hilfe eines Polizeihubschraubers, der \u201esowieso gerade in der N\u00e4he war\u201c.<\/p>\n<p>In Reutlingen l\u00e4uft halt alles etwas ordentlicher ab.<\/p>\n<p>Beim Autonomen Jugendzentrum \u201eKulturschock Zelle\u201c schaut man deswegen bei Partys auch mal genauer hin und analysiert die Aufbauten bei gr\u00f6\u00dferen Veranstaltungen: Der Bauzaun mit befestigten Planen sei dazu da, Drogenkonsument*innen zu sch\u00fctzen und beim Chilloutbereich handle es sich um den Drogenmarktplatz, der nur dazu einlade, Drogen zu kaufen und anschlie\u00dfend zu konsumieren.<\/p>\n<p>Nicht nur bei den kreativen Bauten ist ein geschultes Auge gefragt. Auch bei der Inspektion des Intimbereichs einiger junger G\u00e4ste auf illegale Substanzen geht man gr\u00fcndlich vor. Mensch will ja nicht aufgrund von verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigem und stichprobenartigem Vorgehen mit leeren H\u00e4nden nach Hause gehen. Auch wenn mal keine Party ist, wei\u00df sich die Polizei hier zu helfen und schickt bei einer Mitarbeiter*innen-Versammlung gleich 6 Einsatzfahrzeuge zur Zelle, um unter einem Vorwand die Personalien der interessierten Menschen und Mitarbeiter*innen festzustellen.<\/p>\n<p>Zelle vs. Stadtverwaltung<\/p>\n<p>Dieses Vorgehen kn\u00fcpft nahtlos an das der Reutlinger Stadtverwaltung an. Diese versucht mithilfe einer Gastst\u00e4ttenkonzession einen angemessenen Hebel zu finden um die Autonomie der Zelle einzuschr\u00e4nken und in den Zapfhahn des Gastst\u00e4ttenrechts zu pressen. Durch eine Konzession m\u00fcssten einmal mehr Verantwortliche deklariert werden, die im Falle eines Vergehens gegen die Rahmenbedingungen den Kopf hinhalten m\u00fcssten. Doch das ist nicht der Grund warum die Konzession von der Zelle so konsequent verweigert wird. Ein solch juristisches Konstrukt \u00f6ffnet der Stadtverwaltung T\u00fcr und Tor f\u00fcr nahezu alle nur erdenklichen Repressionsma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Als h\u00e4tte die Stadt nicht schon \u00fcber diverse Verf\u00fcgungen gen\u00fcgend Spielraum um den Leuten der Zelle das Leben schwer zu machen. Ein Beispiel w\u00e4re da noch die aktuellste Idee des Ordnungsamtsleiters Albert Keppler. Dieser versuchte, mithilfe einer Verf\u00fcgung, der Polizei Zutritt zu Veranstaltungen in der Zelle zu verschaffen. Bei Nichtbeachtung seitens der Zelle wurde ein Ordnungsgeld in H\u00f6he von 5000 \u20ac angedroht. Diese Verf\u00fcgung zog er allerdings nach Kritik der Zelle zur\u00fcck. Ob der rechtliche Rahmen daf\u00fcr nichts hergibt oder ob Herr Keppler seinen \u201eguten Willen\u201c zeigen wollte ist zun\u00e4chst noch unklar.<\/p>\n<p>Wer uns am selbstbestimmten Leben hindert, soll unseren Widerstand sp\u00fcren!<\/p>\n<p>Fakt ist: Wir werden uns als G\u00e4ste der Zelle weiterhin konsequent gegen Bullen auf der Insel wehren und dies auch mit dem notwendigen zivilen Ungehorsam durchsetzen. Wer uns bei Demonstrationen verhaut, uns auf offener Stra\u00dfe, gegen unseren Willen, in die Unterhose fasst und uns am selbstbestimmten Leben auch nur im kleinsten hindert, sollte unseren Widerstand sp\u00fcren! Wir erkl\u00e4ren uns au\u00dferdem ausdr\u00fccklich solidarisch mit den Menschen in Hamburg, Berlin und \u00fcberall auf der Welt, die diesen Repressalien noch viel schlimmer ausgesetzt sind als wir!<\/p>\n<p>Rassistische und fremdenfeindliche Tendenzen mehren sich in unserer Gesellschaft. Deutschlandweit wurden in den letzten Monaten Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte angegriffen. Die Polizei tappt so gut wie immer im Dunkeln und kann angeblich keine rassistischen Motive erkennen. Die meisten Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte befinden sich oft weit ab der Kernstadt in abgelegenen Gebieten. Da Fl\u00fcchtlinge entgegen populistischen Aussagen hier nicht wie \u201eGott in Frankreich\u201c leben, k\u00f6nnen sie sich oft nicht leisten \u00fcberhaupt in irgend einer Weise am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.<\/p>\n<p>Es macht uns w\u00fctend wenn Menschen die vor Kriegen und Mi\u00dfst\u00e4nden aus ihrer Heimat fliehen, auch dort wo sie Schutz suchen, um ihr Leben f\u00fcrchten m\u00fcssen. Wir stellen uns gegen Europas menschenverachtende Politik der Abschottung gegen Fl\u00fcchtlinge, denn sie kostet t\u00e4glich Menschen das Leben.<br \/>\nNeben Frontex und pr\u00fcgelnden Cops sind auch die homo- und transphoben Proteste gegen den Bildungsplan 2015 in Baden-W\u00fcrttemberg gemeint, auf die wir besonders aufmerksam machen wollen. Wir sehen darin nur die Spitze eines homophoben Eisbergs in dieser Gesellschaft. H\u00e4ufig darf man sich in diesem Diskurs S\u00e4tze wie \u201eIch bin ja nicht homophob, ABER wenn mein Sohn schwul w\u00e4re, w\u00fcrde ich mir Sorgen machen\u201c. Wir glauben das Homo- und Transphobie gro\u00dfe Probleme in dieser Gesellschaft sind, in der die heterosexuelle Orientierung als Norm betrachtet wird.<\/p>\n<p>The Problem isn\u2018t that I see sexism everywhere \u2013 the Problem is that you don\u2018t!<\/p>\n<p>Es ist einfach ekelhaft, dass Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, ihres \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbilds oder ihres Verhaltens diskriminiert werden. Dass Menschen anhand ihres Verhaltens diskriminiert werden, steht oft im Zusammenhang mit dem sexistischen Normalzustand. Dieser Zustand beschreibt zwei konstruierte Geschlechter, denen dann auch bestimmte Verhaltensweisen und Eigenschaften zugeschrieben werden.<\/p>\n<p>Die sogenannte \u201eFrau\u201c wird als weich, gef\u00fchlvoll, schwach und \u00e4ngstlich beschrieben, wogegen der sogenannte \u201eMann\u201c als stark, unbeugsam, gef\u00fchlskalt und rational dargestellt wird. Wenn \u201eFrauen\u201c wechselnde Sexualkontakte haben gelten sie als \u201eSchlampen\u201c, \u201eM\u00e4nner\u201c hingegen als besonders \u201em\u00e4nnlich\u201c.<\/p>\n<p>Reutlingen ist, wie vermutlich jede andere Stadt, eine Projektionsfl\u00e4che genau dieses sexistischen Normalzustands in unserer Gesellschaft. So lassen z. B. Clubs junge \u201eFrauen\u201c als Engel verkleidet in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone Flyer verteilen oder Bilder auf ihre Plakate drucken, die das \u201eweibliche\u201c Geschlecht nur noch auf \u00c4u\u00dferlichkeiten reduziert. Doch als w\u00e4re das nicht genug, setzt ein Reutlinger Club noch eins drauf. Dort ersetzen leicht bekleidete \u201eweibliche\u201c Schaufensterpuppen hinter einer Scheibe die Keramik der Pissrinne.<\/p>\n<p>Nicht nur Clubs versuchen ganz nach dem Motto \u201esex sells\u201c Werbung zu machen. Auch auf gro\u00dfen beleuchteten Litfa\u00dfs\u00e4ulen sieht mensch die Werbung der \u201eBildzeitung\u201c oder die von \u201eWest\u201c-Zigaretten auf denen immer wieder dieselben Muster zu erkennen sind.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Stadtpolitik<\/p>\n<p>Wenn man also eine moderne Stadt wie Reutlingen betrachtet, ist diese kaum noch ein Raum f\u00fcr diejenigen, die dort leben wollen. Vielmehr steht bei der modernen Stadtplanung die profitorientierte Verwertung der Menschen \u00fcber ihren Bed\u00fcrfnissen. Das zeigt sich beispielsweise beim neuesten Projekt der Stadt Reutlingen: Beim sogenannten \u201eBebauungsplan K8\u201c geht es darum Altstadth\u00e4user abzurei\u00dfen und diese durch ein Einkaufsparadies mit Wohnm\u00f6glichkeiten auf \u201ehohem Niveau\u201c zu ersetzen. Das Schema wiederholt sich derzeit \u00fcberall auf der Welt, die bisherigen Mieter*innen, die nicht in das Bild einer schicken Stadt passen oder sich die Wohnungen nicht mehr leisten k\u00f6nnen, werden auf die Stra\u00dfe gesetzt, die Wohnungen aufgewertet damit sie mit mehr Profit abwerfen.<\/p>\n<p>Wir wollen an dieser Stelle darauf hinweisen, dass dies nur Beispiele in der Stadtentwicklung von Reutlingen sind, diese aber andere St\u00e4dte als Vorbilder haben. Es ist uns auch wichtig das unsere Kritik, die wir formulieren, nicht den Luxus oder die Modernisierung der Stadt angreift, sondern die daraus resultierende Verdr\u00e4ngung der Menschen die sich diese Entwicklungen nicht leisten k\u00f6nnen oder das nicht wollen.<\/p>\n<p>Diesen Zustand sehen wir als Teil eines gro\u00dfen Gesamtproblems, allerdings wollen wir nicht bis zu einer herbeigeredeten \u201eRevolution\u201c damit warten, uns den \u00f6ffentlichen Raum wieder anzueignen.<\/p>\n<p>Ihr k\u00f6nnt euch spontan ohne Erlaubnis zusammen finden, die Stadt malerisch versch\u00f6nern, Streetart betreiben, f\u00fcr kulturelle Zentren k\u00e4mpfen und euch an bestehenden Zentren beteiligen. Vielleicht w\u00e4re es auch mal wieder Zeit das Ordnungsamt mit feierw\u00fctigen Menschen zu besuchen oder sich den \u00f6ffentlichen Raum durch gemeinsame Aktivit\u00e4ten wie Outdoorkino, Stra\u00dfenfest und vieles mehr zur\u00fcck zu erk\u00e4mpfen!<\/p>\n<p>Wir wollen jedenfalls hier und jetzt beginnen und zwar mit dem was wir am allerliebsten machen: Feiernd mit Hunderten von Menschen denen es \u00e4hnlich geht wie uns!<\/p>\n<p>Wir rufen daher zur \u00fcberregionalen Nachttanzdemo in Reutlingen auf. Kommt zahlreich und beteiligt euch mit kreativen und vielf\u00e4ltigen Aktionen an der Demo!<\/p>\n<p>26.04.2014 17 Uhr am Hauptbahnhof in Reutlingen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reclaim your city! Aufruf zur Nachttanzdemo in Reutlingen Die Stadt geh\u00f6rt allen!?! 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